Vergebung lernen – wenn loslassen mehr heilt, als Festhalten es je könnte. Vergeben und loslassen lernen
- Oliver Streiff
- 8. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Juli
Manche Ereignisse begleiten uns länger, als wir es möchten. Vergeben und loslassen lernen in unsere Glarner Berg-Sichtseminar
Verletzungen. Enttäuschungen. Ungerechte Erfahrungen. Worte, die nie hätten ausgesprochen werden sollen. Entscheidungen, die wir heute anders treffen würden.
Oft glauben wir, die Zeit werde diese Wunden heilen.
Doch manchmal stellen wir fest:
Das Ereignis liegt Jahre zurück – und dennoch beschäftigt es uns bis heute. Unbewusst, bewusst kommen störende oder schmerzhafte Bilder, Gefühle, Gedanken aus der Vergangenheit. Hier beginnt das Thema Vergebung und vergeben und loslassen lernen.
Was Vergebung nicht ist
Wenn Menschen das Wort Vergebung hören, entsteht oft Widerstand.
Viele denken:
Ich soll gutheissen, was passiert ist.
Ich soll vergessen, was mir angetan wurde.
Ich soll so tun, als wäre nichts geschehen.
Doch Vergebung bedeutet nichts davon. Vergebung bedeutet nicht, Unrecht kleinzureden.
Vergebung bedeutet auch nicht, Grenzen aufzugeben oder schädliches Verhalten zu akzeptieren.
Vergebung bedeutet vielmehr, sich von der dauerhaften emotionalen Bindung an das Vergangene zu lösen.
Warum wir festhalten
Verletzungen haben oft eine wichtige Funktion. Sie erinnern uns daran, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie schützen uns davor, dieselben Fehler erneut zu machen. Manchmal geben sie uns sogar eine Identität:
„Ich bin derjenige, dem das passiert ist.“
Doch je länger wir an Wut, Enttäuschung oder Schuld festhalten, desto mehr Energie bleibt im Gestern gebunden. Negative Gefühle binden wie positive Gefühle. Das Vergangene bestimmt dann weiterhin die Gegenwart.
Vergebung beginnt oft bei uns selbst
Viele Menschen tragen nicht nur Groll gegenüber anderen in sich. Sie tragen ihn auch gegenüber sich selbst. Gedanken wie
Das hätte ich erkennen müssen
Warum habe ich das zugelassen?
Ich hätte anders handeln sollen
können jahrelang begleiten.
Selbstvorwürfe wirken oft härter als jede Kritik von außen. Deshalb beginnt Vergebung häufig nicht bei anderen Menschen, sondern bei uns selbst.
Die Kraft des Loslassens
Loslassen bedeutet nicht, die Vergangenheit zu löschen. Es bedeutet, ihr einen neuen Platz zu geben.
Die Erinnerung bleibt. Die Erfahrung bleibt. Doch die emotionale Last darf leichter werden.
Viele Menschen erleben erst dann:
mehr innere Ruhe
mehr Gelassenheit
mehr Freiheit
mehr Energie für die Zukunft
Warum Vergebung Mut braucht
Vergebung ist kein einmaliger Entschluss. Sie ist ein Prozess.
Ein Prozess des Hinsehens.
Ein Prozess des Trauerns.
Ein Prozess des Verstehens.
Und manchmal auch ein Prozess des Abschieds von Hoffnungen, die sich nie erfüllt haben.
Deshalb braucht Vergebung Mut. Den Mut, sich dem zuzuwenden, was lange vermieden wurde.
Was helfen kann
Vergebung wächst selten durch Nachdenken allein. Hilfreich können sein:
Reflexion der eigenen Geschichte
Perspektivwechsel
Rituale des Abschieds
Selbstmitgefühl
Gespräche und Begleitung
Manchmal braucht es einen geschützten Raum, um das Vergangene bewusst anzuschauen und neu einzuordnen.
Ein möglicher nächster Schritt
In den Bergsichtseminaren ist Vergebung ein zentrales Thema. Nicht als moralische Forderung.
Sondern als Möglichkeit, wieder freier zu werden. In einer achtsamen Atmosphäre beschäftigen wir uns mit alten Verletzungen, unerledigten Konflikten und belastenden Erfahrungen. Schritt für Schritt entsteht Raum für Verständnis, Annahme und inneren Frieden.

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Oliver Streiff – Prozesscoach, Rechtsanwalt & Seminarleiter
Oliver Streiff, Jahrgang 1979, Vater eines Sohnes, gebürtiger Glarner, ist psychologischer Berater und Personal-Coach, selbständiger Rechtsanwalt in Glarus und Zürich und nebenamtlicher Richter am Bezirksgericht Höfe. Er ist Gründer und Hauptleiter der Bergsicht-Seminare. Menschen auf ihrem ureigenem Entwicklungsweg zu begleiten und den dafür bestmöglichen Prozessrahmen zu geben, ist sein Lebensprojekt. Seine Stärken sind seine Begeisterung und Erfahrung als Prozesscoach.

Über Uns - ein tolles Team
Annike Langlotz – Pädagogische Psychologie, Stimme & Rytmus
Annike Langlotz, Jahrgang 1981, Mutter zweier Söhne, gebürtige Glarnerin aus Schwändi bei Schwanden, steht für Mitgefühl, Klarheit und Authentizität. Sie begleitet Menschen mit offenem Herzen, wacher Präsenz und einem feinen Gespür für persönliche Entwicklungsprozesse. Mit ihrem Hintergrund in Pädagogik und Musik & Gesang verbindet sie fachliche Erfahrung mit Geist, Herz und auch Rhythmus. Ihre Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören und Menschen achtsam zu begegnen, prägt ihre Arbeit in besonderer Weise.

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